Wie erkennt man eine/n gute Hundeschule/-trainer

“Nomenklatur” und rechtliche Grundlage!

In Österreich ist Hundetraining ein freies Gewerbe. Demnach kann sich jeder als Hundetrainer, Hundepsychologe, Hundecoach, HundeflĂŒsterer oder Hundeguru bezeichnen, auch ohne entsprechende Ausbildung. Es ist in Österreich nicht einmal zwingend erforderlich, jemals einen Hund besessen zu haben, um als Hundetrainer tĂ€tig zu werden. Das sich in der Branche der Tier- und Hundetrainer, einige schwarze Schafe ohne Ausbildung tummeln, ist somit nicht weiter verwunderlich.

FĂŒr den Laien ist es ungemein schwieriger bei diesem Bezeichnungs-Wirr-Warr an einen guten Hundetrainer oder an eine gute Hundeschule zu geraten. Einzige Ausnahmen: Die Bezeichnungen „tierschutzqualifizierter Hundetrainer“ und „akademisch geprĂŒfter Kynologe“ (analog dazu natĂŒrlich auch die weibliche Bezeichnung*) sind geschĂŒtzt und dĂŒrfen nur nach einer entsprechenden Ausbildung mit dazugehöriger PrĂŒfung benutzt werden und können bei der Suche nach einer guten Hundeschule oder einem guten Hundetrainer bereits hilfreich sein.

*Auf Grund einer leichteren VerstĂ€ndlichkeit, wird vorrangig die mĂ€nnliche Form verwende. Dies schließt die weibliche Form jedoch in keiner Weise aus!

Bild: © Freepik.com

Aus und Fortbildung

Auf Grund der sehr schwammigen Rechtslage in der Trainerbranche, ist es wichtig, herauszufinden, welche Aus- und Fortbildungen der Hundetrainer nachzuweisen hat. Sind auf der Website entsprechende Nachweise zu finden? Oder ist der einzige Nachweis, dass der Trainer bereits „seit X Jahre Hunde hĂ€lt“ und demnach die Kompetenz besitzt Hunde (und deren Menschen) trainieren zu können? Themenwechsel: WĂŒrdest du zu einem Zahnarzt gehen, dessen einzige Kompetenz es ist, bereits seit „X Jahren selbst ZĂ€hne zu besitzen“? Ich möchte ja ĂŒber niemanden urteilen, aber ich persönlich wĂŒrde vermutlich das Weite suchen und meine ZĂ€hne einem Fachmann mit entsprechendem Studium und Ausbildung anvertrauen.

Sind Aus- und Fortbildungsnachweise vorhanden, gilt zu ĂŒberprĂŒfen, um welche Aus- und Fortbildung es sich handelt. Nicht alles was glĂ€nzt ist Gold. Welche Inhalte wurde vermittelt, ist die Ausbildung staatlich anerkannt, wird auf einen positiven und gewaltfreien Umgang wertgelegt?

Trainingsphilosophie

Ich glaube jeder Hundehalter ist sich einig, dass er nur das Beste fĂŒr seinen Vierbeiner will. Darum sollte man ĂŒberprĂŒfen, wie der Trainer arbeitet. Stehen im Training Lob und Beziehungsarbeit im Vordergrund oder wird mit Druck und Stress gearbeitet? Physische (treten, schlagen, Verwendung von VERBOTENEN WĂŒrgehalsbĂ€ndern etc.) und psychisch Gewalt (Angst-, Schreckreize, Hund ĂŒberfordern, anschreien, Kettenwerfen, Scheppern, Anspritzen mit Wasser etc.) haben im Hundetraining nichts verloren, denn Gewalt beginnt da, wo Wissen endet. Womit wir wieder beim obigen Punkt wĂ€ren.

Meist erkennt man bereits am Umgang mit dem eigenen Hund mit welchen Hundetrainer man rechnen kann. Wird der Hund am Kettenhalsband herumgewirbelt, angeschrien und/oder an der Leine wild herumgeruckt? Und bekommt man dann als ErklĂ€rung auch noch zu hören, dass der Hund ja auch nicht gerade rĂŒcksichtsvoll wĂ€re und es böse enden wird, wenn man dem Hund nicht zeigt, wer der RudelfĂŒhrer ist? Dann liegt die letzte Fortbildung mit Sicherheit bereits lange Zeit zurĂŒck.

Ein guter Hundetrainer arbeitet mit positiver VerstĂ€rkung und nimmt Abstand von Angst- und Schreckreizen. Die GefĂŒhle und das Wohlergehen von Mensch und Hund stehen im Vordergrund. Schlechte Trainer sehen das Zusammenleben mit Hund als stĂ€ndigen Kampf. Oft werden wildeste Theorien aufgestellt, die das UnterdrĂŒcken, EinschĂŒchtern und Maßregeln des Tieres legitimieren sollen. Empathie wird hier vergebens gesucht. Oftmals wird dem eh schon verzweifelten Besitzer auch noch ausgemalt, welche dramatischen Auswirkungen es haben könne, wenn man nicht hart durchgreift. Sollte man an so einen Hundetrainer geraten, ist es besser, das Weite zu suchen.

Trainingsaufbau

Ein guter Hundetrainer achtet auf ein strukturiertes Training. Er nimmt sich Zeit das Mensch-Hund-Team kennen zu lernen (v.a., wenn es um sogenannte Problemhundetraining geht) und arbeitet einen Trainingsplan fĂŒr das Team aus. Das Training wird dabei in schaffbare Treilschritte zerlegt, damit nicht nur der Hund, sondern auch der Hundehalter zum Erfolg kommen. Erfolg ist der erste Schritt zur VerhaltensĂ€nderung. Wer das GefĂŒhl hat erfolgreich zu sein, der ist auch motiviert seine Leistung zu steigern. Das gilt sowohl fĂŒr Hunde als auch Menschen. Wer hingegen andauernd scheitert, wird schnell frustriert. Die Motivation hĂ€lt sich in Grenzen und ob ein frustrierter Hund das gewĂŒnschte Verhalten zeigen wird, ist ebenfalls eher fraglich.

Ein guter Trainer wird ebenfalls auf genĂŒgend Erholungsphasen zwischen den Übungen achten. Ein Hund ist nicht in der Lage, stundenlang Übungen zu wiederholen. Gut strukturierte, eher kurze Trainingseinheiten fĂŒhren daher viel eher zum Ziel, als eine schlampig aufgebaute, zu lange Trainingseinheit.

Jeder Hund und auch jeder Mensch, hat seine Eigenheiten, die er auch haben DARF! Ein guter Hundetrainer wird darauf eingehen und das Training demensprechend auslegen. Ziel ist es Hund und Halter zu motivieren. Leider gibt es auch Hundetrainer, die aus der „UnfĂ€higkeit“ des HundefĂŒhrers keinen Hehl machen. Da kann es durchaus passieren, dass man vor versammelter Mannschaft als „Trottel“ beschimpft wird. Geht man am Ende des Tages komplett demotiviert und frustriert vom Hundeplatz, sollte man sich ĂŒberlegen, ob man wirklich beim richtigen Hometrainer gelandet ist.

Was man sich fragen sollte:

“FĂŒhl ich mich beim Training wohl und fĂŒhle ich mich gut behandelt?”

“Wenn ich mein Hund wĂ€re, wĂŒrde ich mich bei diesem Trainer/mit diesen Trainingsmethoden wohlfĂŒhlen?”

“Zielt das Training darauf ab, unerwĂŒnschtes Verhalten gar nicht erst aufkommen zu lassen, anstatt es zu bestrafen/zu korrigieren?”

“Wird erwĂŒnschtes Verhalten aktiv belohnt?”

“Ist die Art und Weise wie trainiert wird der freundlichste Weg, das Ziel zu erreichen?”

Wenn du diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, dann hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten, seriösen Hundetrainer gefunden.

Autor - Renate Ploder

Autor - Renate Ploder

Renate ist studierte Verhaltensbiologin, akademisch geprĂŒfte Kynologin, sowie tierschutzqualifizierte Hundetrainerin. Mit ihrem Wissen hilft sie Hundehalter im Umgang mit ihrem Hund weiter. Eine positive und tierschutzkonforme Herangehensweise ist ihr dabei besonders wichtig.

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